gespag geht mit dem Tutorensystem neue Wege in der Diplom-Krankenpflegeausbildung
In der Ausbildung an den Gesundheits- und Krankenpflegeschulen der Oö. Gesundheits- und Spitals-AG (gespag) geht man neue Wege: SchülerInnen unterstützen SchülerInnen.
Die Ausbildung zur/zum Diplomierten Gesundheits- und Krankenschwester/-pfleger dauert drei Jahre. Ein ganz wesentlicher Bestandteil dieser Ausbildung ist die Praxis. Nach einem achtmonatigen Theorieblock im ersten Ausbildungsjahr werden die SchülerInnen erstmals mit der Praxis am Krankenbett konfrontiert. Dieser Einstieg muss gut vorbereitet sein und unter kompetenter fachlicher und pädagogischer Anleitung stehen. Dafür waren bis jetzt speziell ausgebildete Krankenschwestern und -pfleger – die PraxisanleiterInnen zuständig. Seit heuer werden sie durch Tutoren, das sind SchülerInnen des dritten Ausbildungsjahres, unterstützt.
Das „Tutoren-Konzept“
Dieses sogenannte „Tutoren-Konzept“ entstand durch die Zusammenarbeit von LehrerInnen für Gesundheits- und Krankenpflege, PraxisanleiterInnen und SchülerInnen. Konzept-Ziel ist es, den SchülerInnen des ersten Ausbildungsjahres die Einarbeitungsphase in die Praxis des Stationsbetriebes im Krankenhaus zu erleichtern und zu optimieren. Mit dem neuen „Tutoren-Konzept“ ist eine kontinuierliche Betreuung während der Einarbeitungsphase gewährleistet:
SchülerInnen des ersten Ausbildungsjahres werden durch KollegInnen des dritten Jahres bei ihrem ersten Praktikumseinsatz in den Stationsbetrieb eingeführt. Diese stehen knapp vor dem Ende der Ausbildung zur Diplompflegefachkraft und übermitteln fachlich und pädagogisch kompetent ihr Wissen an die Neueinsteiger. Nach dieser Einführungsphase erfolgt ein Feedback-Gespräch zwischen der PraxisanleiterIn, TutorIn und SchülerIn. Dabei wird anhand einer Checkliste der Lernstand überprüft und Ziele für das weitere Praktikum definiert. Auch die SchülerInnen des dritten Jahrganges profitieren von ihrer Rolle als TutorInnen:
Sie werden durch ihre jüngeren KollegInnen angeregt, ihr eigenes Handeln kritisch zu hinterfragen – also durchaus einmal selbstkritisch zu sein.

Unter SchülerInnen spricht sich´s einfach leichter
SchülerInnen, die kurz vor der Diplomierung stehen, sind schlichtweg noch „näher d´ran“ an der Situation des ersten Praxiseinsatzes. Sie wissen noch genau, was ihnen in der Anfangsphase auf einer Station Schwierigkeiten bereitet hat. Zudem ist die Scheu, eine/n SchulkollegIn mit Fragen zum Praktikum zu konfrontieren bedeutend geringer, als dies einer/m PraxisanleiterIn gegenüber der Fall wäre. Für Georg Zorn, Schüler des dritten Ausbildungsjahres der Schule für allgemeine Gesundheits- und Krankenpflege Kirchdorf war es „toll, diese Verantwortung übertragen zu bekommen“. Zugleich wurde ihm bewusst, wie schwierig es ist, jemanden, der „neu im System ist“, so zu instruieren, dass er seinen Anweisungen auch folgen kann. „Ich habe als Tutor bewusst reflektiert und selbstkritisch gearbeitet. Es baute sich eine gute Beziehungsebene zwischen mir und Jolanda aus dem ersten Jahrgang auf.“ Für Jolanda Freudenthaler war es „beruhigend, ständig auf Georg als Ansprechperson zurückgreifen zu können. Georg übermittelte mir sein Wissen äußerst verständlich. Auch bei mehrmaligem Nachfragen blieb er ruhig und geduldig. Ich habe mich nie gefragt, ob ich ihn dieses oder jenes nun fragen soll oder nicht - ich hab´s einfach getan.“