Schule für allg. Gesundheits- und Krankenpflege Freistadt
Theaterpädagogik

Bedeutung von Theaterpädagogik
Theaterpädagogik bedeutet die Initiierung von Lern- und Erfahrungsprozessen durch das Medium Theater. Grundlage dieser pädagogischen Theaterarbeit ist ein ganzheitlicher Ansatz, der alle Dimensionen und Lebenszusammengänge der Teilnehmer/innen berücksichtigt und deshalb Körper, Geist und Seele ansprechen und fördern möchte. Theater ist eine ausgezeichnete Unterrichtsmethode Schüler/innen im Bereich der Kommunikation, Kreativität, Spontaneität, Empathie, Persönlichkeits-entwicklung, Teamarbeit sowie Körperarbeit zu fördern.
Warum Theaterpädagogik in der Pflegeausbildung?
- Als Auseinandersetzung mit der eigenen Person
- Als Förderung des bewussten Einsetzens der Nonverbalen Kommunikation
- Als Ausdruck von Kreativität, Spontaneität und Phantasie (mit der Entwicklung von Phantasie und Kreativität wächst auch der Mut, sich in realen Situationen anders zu verhalten)
- Als Steigerung der Sensibilisierung der Selbst- und Fremdwahrnehmung (Entwicklung der Fähigkeit sich in andere Menschen hineinzuversetzen – sich auf die eigenen Sinnes-wahrnehmung zu konzentrieren)
- Als Förderung bewusster Körperarbeit (Mimik, Gestik Körperhaltung, Gang usw.)
- Als förderliches Erleben von Gruppenarbeit (es zählt nicht die Einzelleistung, sondern die Gruppenleistung). Schüler/innen lernen Gruppenmitglieder als gleichberechtigte Partner/innen zu akzeptieren
- Theaterarbeit fördert u.a.:
- Soziale Kompetenz
- Flexibilität
- Kreative Problemlösung
- Ausdrucksfähigkeit
Theaterpädagogik - Lehrveranstaltungen an der Schule
Vom 14.12.2007 bis 8.2.2008 wurde Theaterpädagogik/Drama wiederholt als Lehrveranstaltung für Schüler/innen des 2. Ausbildungsjahres angeboten. Die Auszubildenden haben in 40 Stunden aktuelle Themen aus ihrem Berufsalltag dramaturgisch bearbeitet und daraus 4 Szenen entwickelt. Durch Stimm- und Körpertraining sowie durch Rollenstudium und Improvisationen haben die Schüler/innen ihre eigenen ästhetischen Wege und Mittel gesucht und gefunden und sie unter dem Titel „Sprachlosigkeit in der Pflege“ erfolgreich am 9. Februar 2008 beim Tag der offenen Tür dem „berührten“ Publikum in drei voll besetzten Vorstellungen gezeigt. Begleitet wurden sie in ihrem künstlerischen Prozess von Frau Iris Hanousek-Mader, Theaterpädagogin und künstlerische Leiterin der Theaterwerkstatt „Malaria“ im Diakoniewerk Gallneukirchen.
Die drei Geschichten vermittelten Botschaften und Insiderwissen über menschliches Verhalten, das im Spitalsbetrieb Sprachlosigkeit verursacht. Die Beiträge berührten die Zuseher/innen und waren ein Plädoyer für mehr Menschlichkeit in der Pflege. Die praktischen Übungen während der Proben hoben den Selbstwert jeder/s Einzelnen und das wiederum beeinflusste die Klassengemeinschaft positiv. Spaß und Spontaneität beim Spielen lockerten die bunt zusammengewürfelte Gemeinschaft auf und half über anfängliche Unsicherheiten sowie übersteigerte Erwartungen an sich selbst hinweg. Die Umsetzung der Ideen in Handlungen und in Geschichten war eine große Herausforderung für die jungen Menschen, die nicht nur ihre Talente entdecken konnten, sondern die auch Durststrecken überwinden mussten, die es bei kreativen Prozessen auch gibt. Den Körper und die eigene Stimme als Ausdrucksmittel zu entdecken, die Wirkung auf andere zu erleben, in andere Rollen zu schlüpfen, schaffte Kontakt, Selbstvertrauen und Vertrauen in Mitspieler/innen und förderte die Sensibilität im Umgang mit sich selbst und den anderen Menschen.
Die Schüler/innen, die ihre Persönlichkeit so schulten, werden zukünftig die Seite der Patientin/des Patienten, klarer sehen und bewusster mit deren Befindlichkeit umgehen können. Die spielerische und experimentelle Auseinandersetzung mit dem Berufsfeld förderte ihren sozialen Umgang und die Wahrscheinlichkeit besteht, dass Pflegesituationen nun in ihrer Komplexität eher wahrgenommen werden. Bei den gespielten Situationen und Problemen erlebten sich die jungen Menschen nicht als Opfer, sondern lernten ihre Gefühle und Bedürfnisse auszudrücken sowie Kompromisse zu schließen. Theaterpädagogik im sozialen Feld schaffte persönliche Kompetenz beim zukünftigen Pflegepersonal und wurde von den Besucher/innen, die die Schule am Tag der offenen Türe besichtigten, wohlwollend angenommen. Dieses Fach ist ein wichtiger Bestandteil der Ausbildung und wird, so kann man nur hoffen, bald Einzug in andere Schulen für Gesundheits- und Krankenpflege finden.
Für den Inhalt verantwortlich: Theaterpädagogin Iris Hanousek-Mader http://www.seelenfenster/
Szenen der Aufführung "Sprachlosigkeit in der Pflege"


Auszüge aus Schülerinnen-Interviews
Frau Iris Hanousek-Mader, die begleitende Theaterpädagogin und Regisseurin hat die Schüler/innen über deren Eindrücke bezüglich des Unterrichts „Theaterpädagogik“ und Theatervorstellung befragt.
| Frage: |
Auf welche Weise hat die pädagogische Theaterarbeit die Beziehungen unter euch Schüler/innen beeinflusst? |
| Schüler/innen: |
Während der Erarbeitung des Stückes wuchs die Klassengemeinschaft. Die Ansichten der Kolleg/innen wurden respektiert, akzeptiert und Unstimmigkeiten zu Kompromissen verarbeitet. Durch die Zusammenarbeit des Teams und die intensive Körperarbeit entstand Vertrauen untereinander. Wir konnten uns selbst und andere Mitschüler/innen durch die Übungen besser kennen lernen. Dadurch kamen wir ins Gespräch und auf andere Perspektiven in der Auseinandersetzung mit der Thematik des Pflegealltags. Wir schlüpften in andere Rollen, und wurden offener, mutiger und konnten Situationen anders erleben als bisher. Für die Klasse war es ein positives Projekt, das uns „zusammenschweißte“. |
| Frage: |
Welche Art von Bildung vermittelt dir das Theater spielen? |
| Schüler/innen: |
Es war eine Art Teamtraining und unsere Sensibilität im Umgang mit Menschen wurde geschult. Darüber hinaus war es für uns alle persönlichkeitsbildend. Wir erlebten uns als Kulturschöpfende und erlebten die Entstehung eines Theaterstückes. Wir wurden Lehrmeister/innen für die Zuseher/innen, da wir ihnen Wissen über unseren Berufsalltag vermittelten. |
| Frage: |
Was waren die schwierigsten Momente während der Rollenerarbeitung und in euren Geschichten/Szenen? |
| Schüler/innen: |
Die Themenfindung, die Gruppeneinteilung, die Verteilung der Charaktere und der Aufbau eines Stückes bedeuteten insgesamt eine große Herausforderung für jede/n Einzelne/n. Zuerst mussten wir eine Rolle annehmen, sie ausfüllen und dabei verschiedene Ideen und Sichtweisen anderer ebenfalls berücksichtigen. |
| Frage: |
Was empfandet ihr besonders spaßig? |
| Schüler/innen: |
Wir nahmen das Kribbeln vor der Vorstellung bei uns selbst und auch bei anderen wahr: Das war sehr witzig anzusehen. Die Kolleg/innen in anderen Rollen zu erleben und das gemeinsame Lachen hat uns alle locker gemacht und uns zu guten Darstellungen gepuscht. Dann gab es nach den Vorstellungen den gemeinsamen Erfolg, das Lob von den Zuseher/innen und den Spaß mit Iris bei den Übungen selbst. |
| Frage: |
Welche Momente bereiteten Euch Sorgen und Angst? |
| Schüler/innen: |
Es war die Zeit der Unsicherheit und des Erwartungsdruckes bis unser Stück fertig war, die unsere Nervosität weckte und das Lampenfieber für den Auftritt auslöste. Außerdem hatten wir Angst vor Fehlern während der Aufführung und vor negativen Rückmeldungen durch die Zuseher/innen. Am Schlimmsten wäre es gewesen, wenn Botschaften beim Publikum nicht angekommen wären, was ja glücklicherweise nicht passierte. |
| Frage: |
Könnt ihr Menschen mit Theater beeinflussen? |
| Schüler/innen: |
Ja, durch Denkanstöße und Botschaften erhalten die Zuseher/innen Informationen, die sie vorher sicher nicht hatten. Das Wissen kann den Menschen neue Perspektiven vermitteln. |
| Frage: |
Würdet ihr wieder Theater spielen? |
| Schüler/innen: |
Wir hatten alle viel Spaß und uns ist sehr vieles bewusst geworden. Wichtig war für uns, dass wir zusammen ein Kulturprojekt auf die Beine stellten, das den Selbstwert der Spieler/innen enorm steigerte und unserer Schulgemeinschaft einen tollen Kick gab. |
Fazit Iris Hanousek-Mader:
Das Rollenspiel in der Ausbildung des zukünftigen Pflegepersonals bietet Chancen sich auf den kommenden Berufsalltag vorzubereiten. Die spielerische Auseinandersetzung mit den Bedürfnissen, Wünschen und Vorstellungen von Patient/innen und deren Angehörigen eröffnete den Auszubildenden verschiedene Zugangsformen für das Lernen, vermittelte ihnen empathisches Wissen und förderte eine offene Auseinandersetzung mit ihrem Job und der Erwartungshaltung der Gesellschaft dem Pflegepersonal gegenüber. Schüler/innen wurden durch das Rollenspiel zur Findung eigener Lösungsideen in schwierigen Situationen ermuntert. Sie erlebten sich als Beratende, Gesprächspartner und vor allem als Menschen. Sie konnten spielerisch Probleme im Alltag differenzieren lernen und damit experimentieren und Schritt für Schritt gemeinschaftlich meistern. Das Projekt „So ein Theater mit der Pflege“ hat allen Beteiligten Mut und Spaß bereitet und zeigte, dass jede/jeder sein soziales Umfeld positiv mitgestalten kann.